Quellen zur Auswanderung
Speziell für den Themenkomplex Deutsche Auswanderung in die USA im 19. Jahrhundert sind Quellen wie: Fotos, Tagebücher, Briefe, Reiseberichte, Dokumente über Aus- und Einreise, Geburts-, Tauf-, Heirats- und Sterbeurkunden u.a. von Interesse, die helfen die Spuren des Alltags auf beiden Seiten des Atlantiks zu sichern. Durch ihre Hilfe können Aussagen über die Alltagsgeschichte in Deutschland und den USA getroffen werden. Hier besteht eine Verbindung zu der Arbeit (z.B. den Web-Sites) von Genealogen und Familienforschern:
Die privaten Initiativen einzelner Menschen, die möglichst viele Daten über ihre Familie bzw. Vorfahren zusammentragen wollen, können Fundgruben alltagsgeschichtlicher Spuren sein.
"Es gibt in Deutschland eine alte, heute wieder sehr lebendige Tradition der Auswanderungsforschung in den Bereichen Genealogie, Lokalgeschichte und Landesgeschichte. Wer sich mit der deutschen Auswanderung generell befasst, ist immer wieder auf die Fülle von Detailstudien verwiesen, die von kleinen Berichten in Heimatblättern bis zu gründlichen wissenschaftlichen Aufsätzen der landsgeschichtlichen Fachliteratur, zu regionalgeschichtlichen Monographien und zu umfassenden Quellenregistern reichen…" Moltmann in Adams (1980), S.13f
Besonders in den USA, wo - laut Census des Jahres 2000 - 57 Millionen Amerikaner angaben, deutsche Vorfahren zu haben, hat in den 1990er Jahren im Bereich der Genealogie ein wahrer Boom eingesetzt: Das Internet hat Möglichkeiten geschaffen, mittels Vernetzung und Suchfunktionen Informationen aus aller Welt zu erhalten.
Auf dem amerikanischen Markt haben sich dabei auch kommerzielle Anbieter etabliert, die über entsprechende finanzielle Ressourcen verfügen, um alte Datenbestände (wie z.B.: Zensus, Einbürgerungsanträge, Sterbedaten, Militärlisten, Heiratsverzeichnisse, Passagierlisten u.a.) digitalisieren zu lassen. Dabei bedient man sich geschickt moderner Marketing-Methoden: Nutzer können die Datenbankbestände der Anbieter online auf Personennamen abfragen - wenn ein entsprechender Eintrag gefunden wurde, hat der Nutzer die Möglichkeit genauere Informationen über die angegebene Person gegen Gebühr zu erhalten bzw. in Form einer CD-Rom käuflich zu erwerben.
Universitäten, Forschungseinrichtungen, Archive, Museen und andere Organisationen stellen historische und biographische Informationen kostenlos zur Verfügung. Sehr bekannt im Bereich der Genealogie ist dabei das Web-Angebot der Genealogischen Gesellschaft von Utah, deren Mitglieder (bzw. Helfer) in einem extrem aufwendigen Projekt die Geburtsnachweise aller (!) Menschen zusammentragen wollen (familysearch.org).
Es existieren bereits große Datenbankbestände von mikroverfilmten Kirchenbüchern, die online durchsuchbar sind.
Die Arbeitsergebnisse von Regionalforschern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben möglichst viele Informationen über einen bestimmten Ort bzw. eine bestimmte Region zusammenzutragen, können ebenfalls interessante Quellen für Web-Recherchen sein. Die oft mühselige Auswertung alter (handschriftlicher) Dokumente trägt zur Erschließung von Wissensgebieten bei, die mangels finanzieller Mittel kaum Chance auf eine Auswertung durch (bezahlte) Wissenschaftler hätten.
"Die elektronische Datenverarbeitung zur personellen Erschließung der umfangreichen Archivalien könnte die Forschungsbasis verdichten und zuverlässiger gestalten, vorausgesetzt, dass sie angesichts des großen Aufwandes für die vorweg erforderliche Datensichtung und -Erfassung überhaupt durchführbar ist. Wo sie zur Erleichterung der genealogischen Recherchen in den Archiven in Angriff genommen wird, sollten allgemeine Gesichtspunkte der geschichtlichen Wanderungsforschung in die Programmierung einfließen…" Moltmann in Adams (1980), S.22
Genealogische Vereine und Gesellschaften liefern ebenfalls wichtige Beiträge zu speziellen Themen und bieten Gelegenheit zur Kommunikation mit anderen Interessierten und Forschern.
Erwähnenswert für den Bereich genealogischer Recherchen im Internet sind die Mailing-Lists , in die ein Nutzer sich eintragen kann, um nach Familiennamen, geografischen oder historischen Regionen u.a. Themen zu suchen.
Ein nicht-kommerzieller Anbieter aus den USA, rootsweb.com beispielsweise, betreibt und unterhält nach eigenen Angaben mehr als 20.000 solcher Mailinglisten.