Methoden zum Lehren und Lernen über Migration

Pandel beschreibt die Methode der Inszenierung anhand des Beispiels: Auswanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert. Bild- und Briefquellen, die für sich genommen authentisch sind, aber nicht aus einer Zeit stammen, werden zu einem Gesamtbild zusammengefügt, "das weniger eine Wiederherstellung von Vergangenheit als vielmehr eine geschichtswissenschaftliche Konstruktion ist".
Die Präsentation einzelner Quellen, die nur bestimmte Aspekte des Themas zeigen, soll dazu beitragen, dass in den Köpfen der Schüler eine Vorstellung vom Prozess Migration erzeugt wird. Die Inszenierung stellt eine fiktive Form der Wirklichkeit dar, die tatsächlich aufgrund der Quellenlage so geschehen sein könnte.
Der Vorteil einer solchen Inszenierung ist ihr narrativer Charakter, der Ereignisse in einen narrativen Zusammenhang setze, um Veränderungen deutlich zu machen, was bei isolierten geschichtlichen Detailinformationen nicht möglich ist. Pandel, S.37f

Die Methode der Inszenierung lässt sich auf eine Arbeit mit Materialien aus dem Internet zum Thema Auswanderung nach Amerika übertragen: Einzelne im Internet gefundene Quellen können unter verschiedenen Gesichtspunkten arrangiert werden - abhängig von der jeweiligen Perspektive, unter der das Thema betrachtet werden soll. Wie stark die Menge der gefundenen Web-Sites vorstrukturiert werden muss, hängt dabei vom Vorwissen und der Fähigkeit zum selbständigen Arbeiten der Schüler ab. Bei projektorientierter Arbeitsweise können die Schüler ihren Vorlieben entsprechend bestimmte Themengebiete bearbeiten und anschließend präsentieren, z.B. auf eigenen Web-Sites.

Schörken stellt die multimediale Präsentation von lokalen Fallstudien als "neue Methode" im Geschichtsunterricht vor, bei der die Schüler lernen, "wie z.B. adressatengerechte Faktendarstellung aussehen muss, welchen Stellenwert sie hat, nach welchen Kriterien sie bewertet werden kann, sie stoßen auf Fragen, wie man etwa komplexe soziale Zustände oder Prozesse veranschaulichen kann." Schörken in Mickel, S.633

Eine Chance zum "Aufbrechen der Textdominanz" im Fach Geschichte sieht Endeward durch den Einsatz multimedialer Quellen. Dabei sollten die berücksichtigten Quellen nicht so vereinfacht oder gekürzt sein, dass keine Widersprüche mehr auftauchen, sondern sie sollen vielmehr aktive Verstehensprozesse auslösen können.
"Da Erkenntnisse über historische Ereignisse bzw. Sachverhalte nicht direkt aus Quellen ablesbar sind, sondern aus zahlreichen Quellen im Rahmen eines aktiven Aneignungsprozesses erst rekonstruiert werden, trägt die Nutzung von Quellen nicht nur zur Erkenntnisgewinnung, sondern auch zur eigenständigen Ergebnisdarstellung in besonderer Weise dazu bei, die Konstruktivität von Geschichtsschreibung praktisch erfahrbar werden zu lassen und somit den fundamentalen Unterschied von Quelle und Darstellung ins Bewusstsein zu rufen." Endeward, Webseite