Umgang mit Geschichte lernen
Der Begriff Geschichte wird im allgemeinen Sprachgebrauch unterschiedlich definiert:
"Geschichte als Summe dessen, was geschehen ist. Geschichte als das, was wir von der Vergangenheit erinnern und schließlich Geschichte als Fach in Schule und Universität. … Geschichte als Summe alles Geschehenen bleibt uns unzugänglich. Wir können sie nie erfassen. … Für uns ist allein das als Geschichte von Bedeutung, was wir von der Vergangenheit erinnern. Während ‚sich erinnern' die auf dem Gedächtnis des Individuums beruhende Erinnerung meint, soll ‚erinnern' auch das erfassen, was in einer Gesellschaft an Wissen und Vorstellungen über die Vergangenheit tradiert wird." Dovermann, S.17
Wissenschaftliches Erinnern soll Orientierungen im Umgang mit der Vergangenheit liefern.
Die Erkenntnisse der Geschichtsforschung sind nicht objektiv, denn sie entstehen in einem komplizierten Prozess, in den auch außerwissenschaftliche Sichtweisen einfließen.
Objektivität lässt sich in der Darstellung von Geschichte nicht erreichen, deshalb müssen Wissenschaftler (und Lehrer) bemüht sein, ihre eigenen Prämissen und Vorstellungen vom Geschichtsverlauf in Frage zu stellen und erkennen, dass alle möglichen Ergebnisse nur Konstrukte darstellen, die die eigene Perspektive widerspiegeln.
"Geschichte und Historie ist gegenwärtiges Nachdenken über vergangenes menschliches Handeln und Leiden. Erforschung und Reflexion des Geschehenen erfolgen unter dem Einfluss von Traditionen, Gegenwartserfahrungen und Zukunftserwartungen aus praktischen Bedürfnissen. (…) Und so ist Geschichte als gegenwarts- und zukunftsbezogene Auseinandersetzung mit der erkennbaren menschlichen und unmenschlichen Vergangenheit unabdingbarer Bestandteil aller politischen Bildung." Bergmann in Mickel, S.624
Lernen in verschiedenen Kontexten soll sicherstellen, dass Wissen nicht auf den Problemkontext beschränkt bleibt, in dem es erworben wurde, sondern flexibel und übertragbar wird. Dafür müssen Lehrer ihren Schülern Lernkontexte schaffen, die einen eigenen konstruktiven aber auch kontroversen Umgang mit den Inhalten erlauben.
Der Geschichtsunterricht hat sich dem Politikunterricht angenähert, denn mit Alltags- und Sozialgeschichte werden immer mehr sozialwissenschaftliche Methoden benutzt, die eine Verbindung zwischen Lebensgeschichte und allgemeiner Geschichte herstellen. Verwendete Methoden sind dabei: Erkundungen, Projekte, Befragungen, Exkursionen, Ausstellungs- und Archivarbeit, Rollenspiele usw. vgl. Schörken in Mickel, S.633