Sensibilisierung der Schüler für Migrationsprobleme

Durch einen Vergleich zwischen Auswanderung im 19. Jahrhundert und Zuwanderung heute soll ein Perspektivenwechsel vollzogen werden, durch den die Schüler für die Situation von Ausländern sensibilisiert werden.
Besonders geeignet für eine (erste) Annäherung an den Komplex gegenwärtiger und historischer Migrationsprobleme ist eine Auswertung biografischer Materialien - z.B. von Auswandererbriefen. Subjektorientierte Biografieforschung basiert nach Hoppe auf folgenden Annahmen:
Bei einer Beschäftigung mit biografischen Quellen können die Schüler zu einer aktiven Auseinandersetzung mit den persönlichen und gesellschaftlichen Bedingungen der Auswanderer angeregt werden. Durch die subjektiven Schilderungen von Ereignissen, wie z.B. der Überfahrt, den ersten Eindrücken bei der Ankunft im fremden Land oder Beschreibungen des Alltags erhalten die Schüler sehr persönliche Eindrücke, durch die sie sich in die Perspektive der Auswanderer hinein versetzen können.
"Indem man sich selbst an die Stelle des anderen setzt und sich in dessen Wahrnehmungen, Gedanken, Absichten, Wünsche, Erwartungen und Urteile hineindenkt, gewinnt man ein neues Verständnis von dem anderen und damit eine neue soziale Erfahrung. Mit dem Hineindenken eng verbunden ist das Einfühlen in die Emotionen des anderen, in sein Glück, seinen Ärger und Kummer, seine Freude, Angst oder Traurigkeit. Das Wahrnehmen und Erschließen der Gefühle anderer wird als einfühlendes Verständnis (empathy) bezeichnet." Breit, S.6f

Die Verwendung von Auswandererbriefen im Unterricht kann dazu beitragen, dass die Schüler den gegenwärtigen Problemen von Migration und Einwanderung aufgeschlossener gegenüberstehen, "mehr einfühlendes Fremdverstehen entwickeln und für die Entstehung von Vorurteilen und Stereotypen sensibilisiert werden." Kremp/Paul, S.68

Besonders anschaulich wird die Auswanderungsproblematik, wenn regionale bzw. lokale Beispiele im Unterricht verwendet werden, denn durch die räumliche Nähe der Auswanderer entsteht soziale Nähe. Die Auswandererdarstellungen geben Schicksale gewöhnlicher Männer und Frauen wieder, mit denen sich die Schüler identifizieren können. Bei Recherchen vor Ort stellen die Schüler oft fest, dass Menschen aus ihrer unmittelbaren Umgebung - vielleicht sogar eigene Vorfahren - im 19. Jahrhundert auswanderten und Fremde in einem fremden Land waren. Pellens, S.58

"Spurensuche und Spurensicherung bedeutet (…) Personen, Orte und Gegenstände zu finden, zu erschließen und zugänglich zu machen, die Aussagen über Lebens- und Verhaltensweisen, über Einstellungen und Denkstrukturen deutlich machen. Dabei soll und darf die ‚Strukturgeschichte' mit ihren großen Zusammenhängen und Abfolgen von Ereignissen nicht ausgeklammert bleiben, da diese oft erst eine Einordnung der gefundenen Einzelphänomene zulässt." Gugel, S.287 migration2.html