Warum Migration als Unterrichtsthema?
Fremdverstehen und Toleranz gegenüber anderen Wertesystemen und kulturellen Traditionen müssen auch in der Schule eingeübt werden. In den verschiedenen Lernfeldern lassen sich Migrationsprobleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten - historisch, soziologisch, ökonomisch, juristisch oder politisch.
Aus didaktischer Sicht soll der Blick dafür geschärft werden, dass Zuwanderung, Umsiedlung, Flucht und die Suche nach Asyl nicht nur aktuelle Probleme sind, sondern eine historische Dimension besitzen.
Pellens beschreibt drei Hauptaufgaben der historisch-politischen Bildung in Bezug auf die Migrationsproblematik:
- "Es ist in aller Bildungsarbeit ständig und deutlich zu unterscheiden zwischen objektiven Fakten und den von ihnen geweckten Emotionen. Gefühle von Belastung oder Bedrohung dürfen nicht irrational herumgeistern; sie müssen an den Fakten geprüft und gemessen werden.
- Der alleinige Blick auf die Gegenwart und ihren Ist-Stand ist ein schlechter Ratgeber, weil er zumeist die Zugänge zu einem Verständnis verstellt.
Wir müssen der Entstehung von Wanderbewegungen in der Geschichte nachgehen, die Gründe für solche Migrationen prüfen, die Wege bis heute nachvollziehen und die Wandlungen nachzeichnen. Erst dann wird die Lage so transparent, dass auch ein zutreffendes Urteil möglich ist.
- Alle Probleme sind aus der Sicht mehrerer Nationen und auch im Dialog von Vertretern der Minderheiten und der Mehrheiten zu prüfen. Dabei stellt sich sehr schnell heraus, dass eine Mehrheit hier sich auch als eine Minderheit dort vorfinden kann. Dies erleichtert eine multiperspektivische, gerechtere Sicht. Manches lässt sich gemeinsam leichter regeln; auch schon von der Kenntnis benachbarter Regelungen kann man profitieren."
Pellens, S.3f.