Politische und soziale Hintergründe des 19. Jahrhunderts in den USA

In den amerikanischen Kolonien war die Landwirtschaft der dominierende Wirtschaftszweig. Aus Amerika wurde Tabak, Baumwolle und Indigo - später vor allem auch Weizen nach Europa exportiert. Die Entwicklung des Gewerbes war aufgrund des Navigation Act gering, denn Gewerbe und Industrie des Mutterlandes waren an den Kolonien als Absatzmärkte für Manufakturwaren interessiert.
Die koloniale Gesellschaft Amerikas setzte sich vorwiegend aus europäischen Einwanderern zusammen, die die Denktraditionen der klassischen Antike und des Christentums mitbrachten. Dominierend war dabei die Rolle der Menschen englischer Herkunft, die Rechtssystem und andere gesellschaftliche Grundprinzipien prägten. vgl. Sautter, S.52ff
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren nur geringe Teile Amerikas besiedelt, denn Großbritannien versuchte, die Entwicklung der Kolonien zu hemmen, um ihre Abhängigkeit zu festigen. "Aber andererseits hatte die Macht der örtlichen Gegebenheiten und das gemeinsame Erlebnis der Urbarmachung doch schon so etwas wie ein charakteristisches Amerikanertum entstehen lassen, das sich vielleicht gelegentlich in einer gewissen Unbehauenheit äußerte, aber dann auch das für die Zukunft viel wichtigere Vertrauen in die eigene Kraft - und deren Rechtfertigung - mit einschloss." Sautter, S.64
Die Unabhängigkeit
Die Proklamation der Unabhängigkeit durch 13 Staaten erfolgte im Jahre 1776. Der nun folgende Unabhängigkeitskrieg war nicht nur ein Krieg für Freiheit, er war auch ein Bürgerkrieg. Schätzungsweise ein Drittel der Bevölkerung war - aus verschiedenen Gründen - der Krone und den alten Bindungen gegenüber loyal eingestellt.
1783 wurden die Dokumente für den britisch-amerikanischen Friedensvertrag in Paris unterzeichnet: die Revolution gegen das Mutterland hatte Erfolg gehabt. Nach schweren Opfern - ca. 70 000 Toten - hatte Nordamerika die äußere Unabhängigkeit erreicht. Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika wurde 1787 verabschiedet. Sie war der erste Entwurf einer modernen Demokratie, in der Gewaltenteilung und ein System gegenseitiger Kontrolle festgelegt wurden.
Washington wurde 1789 einstimmig zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Die politischen Institutionen der jungen Republik festigten sich während der achtjährigen Amtszeit Washingtons - 1791 wurde die Verfassung um die sogenannte Menschenrechtserklärung in Form von zehn Zusatzartikeln ergänzt.
Zwischen 1812 - 14 herrschte Krieg mit Großbritannien aufgrund zunehmender britischer Übergriffe - u.a. durch Handelsrestriktionen und Seeblockaden. Um sich gegen die Flut britischer Erzeugnisse zu schützen, verabschiedete der Kongress im Jahre 1816 ein protektionistisches Zolltarifgesetz.
Monroe-Doktrin
Die Formulierung der Monroe-Doktrin von 1823 gilt als bezeichnendes Symptom der allgemeinen politischen Entwicklung, in der sich die USA allmählich von der engen Bindung an Europa ablösen.
Die industrielle Revolution kam in den USA mit einer eigenen Dynamik voran: "Die sich fortsetzende territoriale Erschließung, der Industrialisierungsprozess und das Bevölkerungswachstum verliehen dem gesellschaftlichen Leben größere Proportionen und brachten gleichzeitig eine engere innere Verflechtung." vgl. Sautter, S.142
Das Vorantreiben der Siedlungsgrenze zwischen europäisch-amerikanischer Besiedlung und der Wildnis - die sogenannte ‚frontier' - ist zu einem Mythos der amerikanischen Gesellschaft geworden. Nagler zitiert das 1893 erschienene Essay des amerikanischen Historikers F.J. Turner: "Im dynamischen Landerschließungsprozess habe sich ein Geist sozialer Gleichrangigkeit und Selbstverwaltung herausgebildet, verbunden mit einem starken Individualismus, der die spezifische Ausprägung der amerikanischen Demokratie verursacht habe. Die Besiedlung verlief wellenartig und spiegelte die komplexen sozio-ökonomischen und politischen Prozesse der amerikanischen Gesellschaft wider." Nagler in Adams/Lösche, S.46
Fortschritt
Ein neues Zeitalter begann mit den Fortschritten in der Nachrichtentechnik und im Transportwesen: 1825 wurde der Erie-Kanal eröffnet, der den Erie-See mit dem Atlantik verband. Weitere Kanäle folgten und schon zu Beginn der 1830er Jahre konnte Schiffsfracht von New York über die Großen Seen nach Chicago und den Mississippi hinunter nach New Orleans transportiert werden. In dieser Zeit stieg die Zahl der Dampfschiffe, die vor den Küsten und auf den Flüssen verkehrten.
Die erste Eisenbahnstrecke wurde im Jahre 1830 eröffnet. Zunächst baute man Verbindungen zwischen den Kanalendpunkten und bald folgten Durchgangslinien wie z.B. New York - Chicago oder - St. Louis. Im Jahre 1850 verfügte man über 15 000 Bahnkilometer und 1860 waren es fast 50 000 km.
Mit dem Ausbau des Schiennetzes verbreitete sich in den 1840er Jahren der Morsetelegraph, dessen Leitungen entlang der Bahnstrecken gezogen wurden. 1860 hatte man schon über 80000 km Drahtstrecke verlegt; 1861 konnte man über den Pacific Telegraph Nachrichten von New York nach San Francisco übermitteln. Durch neue Drucktechniken wurde in den 1840er Jahren das Verbreiten von Nachrichten in Zeitungen preiswert und schnell. vgl. Sautter, S.141ff
Als Folge des von 1846 - 48 dauernden Krieges mit Mexiko fielen Kalifornien und Neumexiko an die USA. Nach Goldfunden in Kalifornien begann 1848 der sogenannte ‚Goldrausch', der Tausende Menschen in Richtung Westen zog. Zwischen 1857 - 59 wurden auch die USA von der ersten Weltwirtschaftskrise betroffen.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die USA noch keine Industrienation, denn für größere Investitionen war der finanzielle Hintergrund nicht gegeben. Insgesamt war der amerikanische Markt noch von agrarischen Produkten bestimmt, wobei die mittleren Atlantikstaaten und Neuengland eher industriell orientiert waren als die übrigen Regionen. In den Nordstaaten der USA wuchsen Industrialisierung und Verstädterung, während die Südstaaten immer stärker vom Baumwollanbau profitierten, in dem die meisten der fast vier Millionen (1860) schwarzen Sklaven beschäftigt waren.
Norden und Süden entwickelten sich aufgrund ihrer unterschiedlichen sozialen Strukturen und ökonomischen Interessen zusehends auseinander und die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Sklaverei gipfelte im Jahre 1860 in der zentralen Frage, "ob die Nation weiter auf zwei grundsätzlich antagonistischen Prinzipien und Kulturen bestehen könne". Wasser, S.77
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