Ankommen in der amerikanischen Gesellschaft
Haben deutsche Einwanderer sich angepasst, indem sie die angloamerikanische Kultur übernommen haben oder blieben sie eigenständiger Bestandteil einer pluralistischen amerikanischen Gesellschaft?
Han beschreibt Akkulturation als "einen allmählichen Prozess der Einführung der Einwandererminderheiten in die Kultur der dominanten Mehrheit des Aufnahmelandes."
Dieser Vorgang vollzieht sich in externer und interner Akkulturation: die äußere geschieht durch Übernahme typischer Verhaltensweisen und Umgangsformen der dominanten Kultur.
Innere Akkulturation tritt ein, wenn die Menschen auch die Wertvorstellungen der Aufnahmekultur verinnerlichen, so dass das Verhalten der anderen für den Immigranten selbstverständlich wird. vgl. Han, S.198
Die Anforderungen an die Migranten während des Akkulturationsprozesses sind hoch, denn die persönlichen Erfahrungen mit den sozialen, rechtlichen, ökonomischen und politischen Bedingungen sind häufig zunächst negativ. Viele Einwanderer müssen mit enttäuschten Erwartungen und Diskriminierungen zurechtkommen.
Der Akkulturationsprozess kann in unterschiedliche Ergebnisse münden:
- Assimilation: Die Einwanderer geben ihre bisherige kulturelle Identität auf und werden komplett von der Aufnahmegesellschaft absorbiert.
- Integration: Die Einwanderer behalten ihre bisherige kulturelle Identität und werden trotzdem Bestandteil der Aufnahmegesellschaft. Dabei entsteht eine Pluralisierung der Aufnahmegesellschaft durch verschiedene ethnische Gruppen, die sich miteinander verständigen müssen.
- Segregation und Separation: Die Einwanderer verbleiben innerhalb ihrer Kultur und entwickeln keine grundlegenden Beziehungen zur Aufnahmegesellschaft - je nachdem, ob die Distanzierung von der Aufnahmegesellschaft oder der Einwandererminderheit ausgeht - spricht man im ersten Fall von Segregation und im zweiten von Separation.
- Marginalisierung: In diesem Fall haben die Einwanderer weder zu ihren eigenen ethnischen Gruppen noch zur Aufnahmegesellschaft kulturelle oder psychologische Kontakte, was sie zu gesellschaftlichen Randfiguren macht. vgl. Han, S.200f
Hoerder und Knauf lehnen den Begriff Assimilation zur Beschreibung des Eingliederungsprozesses ab, weil er ihrer Ansicht nach beinhaltet, dass die Migranten im Aufnahmeland ihre mitgebrachten Traditionen und ihre Sprache völlig aufgeben.
Sie verstehen Akkulturation als Integrationsprozess, im Rahmen dessen den Einwanderern staatliche, öffentliche oder private Hilfestellungen geboten werden.
Erfolg und Tempo dieses Prozesses seien dabei vom gesellschaftlichen Selbstverständnis abhängig: "Entweder versteht eine Nation sich als pluralistische oder aber als ein geschlossener Zirkel, zu dem Mitglieder anderer Kulturen keinen Zutritt haben." Hoerder/Knauf, S.14f